Tschernobyl, 25 Jahre nach der Katastrophe. Was ist aus Anatolis Land, aus seinem Leben, seinen Träumen geworden? Was geschah mit den Hilfsgeldern? Viele Fragen bleiben offen.
Tschernobyl, 25 Jahre später. Maja Weiss trifft den Jungen von einst als jungen Mann wieder. Was ist in der Zwischenzeit geschehen – zwischen der Atomkatastrophe und der Aussicht auf eine weitere Tragödie? Wohin sind all die internationalen Hilfsgelder verschwunden, und wo versickerten die Millionen, die für den Wiederaufbau des verfallenden Sarkophags des Kernkraftwerks Tschernobyl bestimmt waren? Wohin führt mich mein Leben? Welches Erbe hinterlasse ich meinem Sohn? Dies sind nur einige der Fragen, die der Ukrainer Anatoli Risow, inzwischen erwachsen und zwanzig Jahre nach dem ersten Dokumentarporträt über sein von Krisen und Kriegen geschütteltes Schicksal, zu beantworten versucht.
2015, die Ablehnung von Geflüchteten durch die Bevölkerung im mitteldeutschen Tröglitz eskaliert in Gewalt. Zeichnungen und 3D-Animationen machen fühlbar, wie Hass das Gemeindeleben zersetzt.
2015 in Tröglitz: Der Bürgermeister organisiert eine Unterkunft für Geflüchtete. Er und seine Familie werden selbst zu Heimatlosen, denn für viele Bewohner*innen gehören Fremde nicht in ihr mitteldeutsches Zuhause. Zum Interviewton des Bürgermeisters machen die Zeichnungen und 3D-Animationen fühlbar, wie der enorme Hass das Gefüge in der Gemeinde zersetzt und die Menschen auseinanderreißt.
Der Rückblick auf eine DDR-Kindheit, verlebt am Meer, wo Grenzen und Freiheiten stets nah beieinanderlagen: eine poetische Autobiografie, verdichtet in Hunderten von Aquarellmalereien.
Sirenenhafter Gesang und rhythmische Lichtreflexionen leiten über zu einem lyrischen Text und skizzierten Silhouetten von Küstenabschnitten und Wellen. Zarte Linien und sanfte Schattierungen auf transparenten Folien bilden in der Überlagerung vielschichtige Netzwerke aus Formen und Strukturen. Was sich außerhalb der Leinwand befindet, schleicht sich über Spiegelungen ins Bild und mischt sich ein in die visuelle Gestaltung des Films. Damals und Jetzt begegnen sich und verschmelzen zu einer poetischen Erzählung über eine Kindheit in Stralsund, zu einer Zeit, als die Stadt noch Teil der DDR war. Eine eingezäunte, begrenzte Kindheit, eingerahmt von nächtlichen Flutlichtern, dem Grölen betrunkener Seemänner und dem bröckelnden Putz der vergrauten Fassaden und Mauern. Der Erzählerin gelingt es, diese bedrückende Festung hinter sich zu lassen. Ganz entkommen kann sie ihr jedoch nie. Die Erinnerungen, die sich wie grauer Staub über ihr Inneres gelegt haben, bleiben für immer haften.
Selbstorganisierte solidarische Gemeinschaften: Die New Yorker Bewegung der Hausbesetzer*innen wehrt sich gegen die Verdrängung ärmerer Bevölkerungsschichten aus den lukrativen Arealen Manhattans.
„Warum sollte ich wegziehen? Ich bin hier geboren.“ Während man in Vietnam einen sinnlosen Krieg führe und millionenschwere Raketen auf den Mond schieße, stünden in New York nicht genügend menschenwürdige Wohnungen zur Verfügung – schlimmer noch, die armen Leute würden mit Gewalt aus ihren Häusern vertrieben. So eine wütende Protagonistin dieses aktivistischen Films, der die New Yorker Bewegung von Hausbesetzer*innen, die „Squatters“, vorstellt. Vor allem Latin Americans sollen die für den Wohnungsmarkt lukrativen Areale von Manhattan verlassen, doch das lassen sich die Demonstrierenden nicht gefallen. „Break & Enter“ ist ein spontaneistisches und ermutigendes Filmdokument über selbstorganisierte solidarische Gemeinschaften.
Ein Aufschrei, ein freilaufender Papierhund und ein andauernder Schmerz: Die experimentelle Stop-Motion-Animation nimmt mit in die emotionalen Tiefen einer persönlichen Verlustgeschichte.
In nur neunzig Sekunden erzählt Marcus Grysczok eine berührende persönliche Verlustgeschichte und nimmt mit in große emotionale Tiefen. Tune in: ein elektronisch verzerrter Aufschrei. Der Protagonist spricht zu sich und zu jemandem, der nicht mehr in der Welt, aber umso mehr im Herzen beheimatet ist. Er sucht einen Ausweg aus der Ohnmacht. Er nimmt eine fremde Rolle an und eilt als freilaufender Papierhund durch reale Regalfächer und über Tischflächen, rennt vorbei an Personen auf schwarz-weißen Fotografien und Alltagsgegenständen, jagt sich selbst auf einem Tellerrand. Die Bilder vermitteln das Gefühl von einem Zuhause – einem Zuhause für die Erinnerung und für das Leben. Tune out? Sobald der Hund innehält, beendet die Wirklichkeit das rastlose Treiben und macht den andauernden Verlust bewusst. Sprachlich wie auch gestalterisch poetisch formuliert der Film einen bewegenden, doch unverklärten Abschied vom Bruder.
Das Buchenwald-Mahnmal war das erste Nationaldenkmal der DDR. Von 1961 bis 1975 begann jeder Gedenkrundgang mit diesem Einführungsfilm, in dem die jüdischen Opfer kaum Erwähnung finden.
1958 fand die Einweihung der „Nationalen Mahn- und Gedenkstätte Buchenwald“, des ersten Nationaldenkmals der DDR statt. Die monumentale Anlage sollte auch die staatstragende Bedeutung einer wählerischen Erinnerungskultur demonstrieren. Man gedachte der kommunistischen Widerstandskämpfer – und überging, dass in den Gräbern vor allem jüdische Opfer lagen. 1961 stellte die DEFA im Auftrag des Buchenwald-Komitees diesen „Einführungsfilm“ fertig, der von Goethe, Schiller, Thälmann handelt, aber nur ganz am Rande von Jüdinnen und Juden. Bis 1975 starteten die Besucher damit ihren Gedenkrundgang. Für Skript und Produktionsleitung zeichnete der Dramatiker Heiner Müller verantwortlich, wie erst 2004 bekannt wurde.
Bücher sind Brot, dessen der Mensch bedarf [Ausschnitt]
Peter Rocha
Moderne Töne, Bildkompositionen und Schnittführung zeigen das Spektrum der IBA 1982, kombiniert mit farbigen und schwarz-weißen Aufnahmen des Ausstellungsortes Leipzig.
Bücher sind Brot, dessen der Mensch bedarf [Ausschnitt]
Bücher sind Brot, dessen der Mensch bedarf [Ausschnitt]
Peter Rocha
Matinee Sächsisches Staatsarchiv 2025
Dokumentarfilm
DDR
1982
6 Minuten
Deutsch
Untertitel: 
Keine
Ein Zitat des Literaten Johannes R. Becher, erster Kulturminister der DDR, gibt diesem Film über die Internationale Buchkunst-Ausstellung 1982 den Titel. Einfühlsam komponierte Bilder betten die IBA ins Leipziger Menschengewimmel ein. Alte und neue Aufnahmen der Stadt, in Schwarz-Weiß und in Farbe, führen zu stimmungsvollen Klaviertönen in einige der 82 Länderkojen des buchkünstlerischen Kräftemessens.
Wer nicht nur ab und zu ein Buch bestellt, sondern sogar dem „Buchclub 65“ beitritt, wird mit Clubzeitschrift und Hauptvorschlagsband belohnt. Kundenbindung im analogen Zeitalter.
Dieser animierte Film bewirbt die Vorteile der 1965 gegründeten Buchgemeinschaft „Buchclub 65“. Eine Mitgliedschaft in der bis 1990 bestehenden Vereinigung berechtigte zum regelmäßigen Kauf von Büchern zu ermäßigten Preisen. Die flächendeckende Versorgung der DDR-Bevölkerung mit Lesestoff wird betont, die Klubzeitschrift vorgestellt. Und einmal jährlich gibt es ein Geschenk: den Hauptvorschlagsband.
Einmal mehr wird durch diese Kurzreportage gezeigt, dass die DDR das „Land der Bücher“ ist. Dargestellt werden die Abläufe von der Bestellung bis zum Versand im Buchhaus Leipzig.
Das Selbstverständnis der DDR als Land der Bücher wird, vorgetragen im Stil der Reportage, mit Zahlen und Vergleichen belegt. Das Buchhaus Leipzig, institutioneller Betreiber des zentralen Versandbuchhandels, versorgt die Republik mit einem vielfältigen Buchangebot und könne dabei mit guter Organisation punkten. Ein Einblick in die Vertriebslogistik, lange vor der Erfindung des Internethandels.
Laut diesem schwarz-weißen Spot werden junge Menschen auf dem Land durch das Buchhaus Leipzig schnell und zu jeder Zeit mit den aktuellsten Büchern jeglicher Art beliefert. Garantiert!
Zu schnellen Schnitten und poppiger Musik vermittelt ein junger DDR-Bürger, dass man auch auf dem Land problemlos in den Genuss neuester Literatur kommen kann. Der Versand erfolgt einfach und schnell, in den umfangreichen Katalogen des Buchhaus Leipzig ist alles zu finden! Man muss nur eine Postkarte senden … Der Spot ist einer von sieben Filmen im Bestand „Buchhaus Leipzig“ im Staatsarchiv Leipzig.
Romantisch ist das Landleben, wie es Karol Pałka zeigt, nur bedingt: zwei Frauen, ein marodes Haus, die Erde nass, die Kleidung schmutzig. Ein eigenwilliger Besuch in der Einöde.
deutsche Untertitel für Menschen mit eingeschränkter Hörfähigkeit, Englisch
Danusia und Basia sind Mutter und Tochter. Und sie bestreiten das Leben, welches Regisseur Karol Pałka als ein ultimativ abgeschiedenes präsentiert, gemeinsam. Fernab jeglichen Komforts vergehen die Jahreszeiten, kommt ein Geistlicher zu Besuch, waten die Frauen im Schlamm und halten an ihren Gewohnheiten fest. Doch Basia bewegt sich, unbeobachtet von Danusia, auf eigenen Nebenstraßen, die in andere Richtungen weisen.
Die nächste Stadt scheint Lichtjahre entfernt. Zurückgezogen leben Danusia und ihre Tochter Basia in einem maroden Haus auf dem Land. Die Wohnräume sind mit Blumenarrangements geschmückt, dazwischen immer wieder Devotionalien. Mutter und Tochter pflegen ihre Verbindung zum Übernatürlichen, sei es in Form eines strengen Katholizismus oder kleiner Rituale in der Natur. In einer Szene etwa tanzt Basia wie eine Hexe um ein Feuer. Sie ist es auch, die wiederholt den Kontakt zur Außenwelt sucht. Dann sehen wir sie mit einem Handy. Die Person am anderen Ende bleibt jedoch ungreifbar, kann oder will den Bann, der um das Mutter-Tochter-Gespann liegt, nicht überschreiten. Es ist eine dichte, gleichsam verlassene Welt, die Karol Pałka in seinem Debüt in düsteren, verschatteten Bildern inszeniert. Erst mit Einsetzen des Frühlings hellen sie auf. Doch selbst dann hallt das dramatische Eröffnungsstück, „Specially for You“ der ukrainischen Band DakhaBrakha, noch nach.
Überwachungskameras, Waffendepots, schusssichere Kammern: Ein riesiger Wirtschaftszweig reagiert in den USA auf das Bedrohungsszenario Amoklauf in Highschools. Was ist Sicherheit?
deutsche Untertitel für Menschen mit eingeschränkter Hörfähigkeit
An amerikanischen Highschools ist das Bedrohungsszenario Amoklauf allgegenwärtig geworden. Neben regelmäßigen Übungen zum Verhalten bei einem Angriff gehören Securitykräfte und Metalldetektoren zum Alltag in den Schulen. Im Namen der Sicherheit beschäftigt sich ein ganzer Wirtschaftszweig damit, schusssichere Hoodies und Tafeln zu entwickeln, Lehrpersonal zu bewaffnen und noch mehr Überwachungstechnik aufzustellen. Ist das Prävention? Oder eine sich selbst erfüllende Prophezeiung?
Während Cheerleader proben, Basketballteams spielen und man Homecoming-Queens kürt, bereiten die Erwachsenen im Hintergrund den Ernstfall vor: Was tun, wenn eine Schule – von außen oder von innen – angegriffen wird? Verhaltens- und Meditationstrainings, die Gewalt überhaupt verhindern sollen, sind eine Sache. Mehr Geld geht jedoch in die Aufrüstung. Die sogenannte Sicherheitsbranche hat sich die Schulen als Markt längst erschlossen. Todd Chandlers zurückgenommene Beobachtung schaut auf Waffenindustrie, Dienstleistungsgewerbe und Medien, auf Sozialpsychologinnen und Sozialpsychologen, auf Lehrerinnen und Lehrer gleichermaßen. Klug fokussiert er sich nicht auf einzelne Schulen oder Fälle, sondern darauf, wie ein ganzes System auf eine Bedrohung reagiert.
Mitten in der Nacht wird Bobby von ihrer Mutter in ein Hospital gelockt. Furchterregende Horrorhasen narkotisieren sie dort ohne ihre Zustimmung. Ein abgründiger Albtraum in düsteren Zeichnungen.
Bobbys Magen rebelliert. Sie hat einen Riesenhunger. Normalerweise sollte das Abendessen längst auf dem Tisch stehen. Doch heute ist alles anders. Mit einer Lüge lockt Mum die Teenagertochter aus dem Haus und bringt sie ins Hospital, wo bereits ihre Verwandten auf sie warten. Alle in Schwarz gekleidet, mit Tränen in den Augen, bekunden sie ihr Mitgefühl. Aber Mitgefühl weshalb? Noch bevor Bobby sich versieht, wird sie von unsanftem Pflegepersonal in die endlosen Korridore des Krankenhauses verschleppt, entkleidet und auf eine Operation vorbereitet, von der sie nichts wusste und der sie nie zugestimmt hat. Hinter den Kulissen dieses nächtlichen Horrortrips offenbart sich eine verstörende Erzählung über das Vertrauensverhältnis zwischen Eltern und Kindern. Mansi Maheshwaris Genremix aus Thriller, Angstvision und Erziehungssatire fasziniert. Die dynamische Gestaltung, die dramatische Animation und die fesselnde Tonspur schicken uns tief hinein in einen fürchterlich-vorzüglichen Albtraum, der nachwirkt.
Franka Sachse
Credits
Regie
Mansi Maheshwari
Buch
Anna Moore, James Davis
Kamera
Adam Pietkiewicz
Schnitt
Kaupo Muuli
Produktion
Ashionye Ogene
Ton
Alexander Faingold
Sound Design
Alexander Faingold
Musik
Marcin Mazurek
Animation
Mansi Maheshwari, Ryan Power, Elizabeth Fraser, Paula Gonsalez, Kathryn Haddow, Beatrice Babbo, Lucas Fruen
Dreck fressen und lustvoll rülpsen – ein Wurm gibt sich mit diesem peinlichen Evolutionsergebnis für seine Spezies nicht zufrieden. Er zieht aus, um Besseres zu lernen.
Dreck fressen und lustvoll rülpsen – ein Wurm gibt sich mit diesem peinlichen Evolutionsergebnis für seine Spezies nicht zufrieden und zieht aus, um Besseres zu lernen. Aber die Nachahmung von vielbeinigen und geflügelten Insekten sorgt nicht für distinguiertes Benehmen, sondern birgt Todesgefahren. Grandios belegt Ethan Barrett, dass Knete auf der Entwicklungspyramide der Animationsgeschichte ganz weit oben steht, vor allem, wenn sie mit solcher Leichtigkeit und so pointiert vertont wird.
Ein verkannter Filmemacher will Teil der großen Branche sein, will sich verkaufen und gekauft werden. Heftig sprudeln die Wortblasen aus dem kleinen Handbuch der Selbstvermarktung.
Ein Genie des Independent-Films blickt auf sein bislang verkanntes Werk zurück. Fortan will er die Hände von der brotlosen Kunst lassen, will Teil der großen Branche sein, will sich verkaufen und gekauft werden. Leuchtende Zukunft in greifbarer Nähe. Sprudelnde Wortblasen aus dem kleinen Handbuch der Selbstvermarktung. Brennender Ehrgeiz. Ätzender Sarkasmus. Beißende Ironie.
Mit Anfang zwanzig verließ Hiam Abbass ihr palästinensisches Heimatdorf und wurde ein internationaler Schauspielstar. Jahre später kehrt ihre Tochter, die Filmemacherin, mit ihr dorthin zurück.
Die in Frankreich lebende Schauspielerin Hiam Abbass ist einer der größten Filmstars aus dem Nahen Osten. Sie übernahm Hauptrollen in den prämierten Filmen des israelischen Regisseurs Eran Riklis, spielte in Steven Spielbergs „München“ und kürzlich im US-Serienhit „Succession“. Sie saß in der Jury der großen Festivals in Cannes und Berlin, stellte ihr eigenes Regiedebüt in Venedig vor. Sie ist aber auch: Mutter, Tochter und Schwester in einer großen palästinensischen Familie voller tatkräftiger Frauen. In dieser realen Rolle tritt sie im Werk ihrer Tochter Lina Soualem vor die Kamera und reist zurück in ihren Heimatort Deir Hanna im Norden von Israel – ein arabisches Dorf im jüdischen Staat.
„Öffne nicht das Tor zu vergangenen Sorgen“, zitiert die Regisseurin eine Art Dogma ihrer Verwandten. Es bezieht sich unter anderem auf die traumatische Vertreibung der Familie aus Tiberias, der Stadt am See Genezareth, im Palästinakrieg von 1948. Doch Soualem öffnet mit ihrer Konfrontation der familiären Geschichte auch Tore zu vergangenen Freuden und vermeintlich abgelegten Identitäten. Zwischen Home-Videos, historischen Archivaufnahmen, Fotos und Briefen zeigt Abbass eine berührende und nahbare Leinwandpräsenz in der Rückbesinnung auf ihre Wurzeln. Der lange Schatten der eigenen Herkunft fällt auch auf eine Frau von Welt.