Das exklusive Found-Footage-Material aus den frühen Achtzigerjahren zeigt ein Polen, das unter dem Kriegsrecht ächzt. Es zeigt zugleich ein Polen, in dem die Solidarność dabei ist, zu entstehen.
Anfang der 1980er Jahre befindet sich Polen im Ausnahmezustand. Die Demokratiebewegung im Land, repräsentiert durch die freie Gewerkschaft Solidarność, soll unterbunden werden. Dazu verhängt Präsident Wojciech Jaruzelski am 13. Dezember 1981 das Kriegsrecht. In heimlicher Absprache mit der Sowjetunion inszeniert man eine Drohkulisse, um den „stan wojenny“ zu rechtfertigen. Westliche Nationen wie Großbritannien und die USA belegen den Ostblockstaat daraufhin mit Wirtschaftssanktionen. Ein komplexes Spannungsfeld entsteht, in dem sich die polnische Bevölkerung einerseits mit existenziellen Engpässen konfrontiert sieht, anderseits den Kampf im Untergrund fortführt – Ausgangssperren, überwachten Telefongesprächen und einem militärisch kontrollierten Mediensystem zum Trotz. Tomasz Wolski führt in seinem Found-Footage-Film Brisantes, Alltägliches und Ikonisches zusammen und gewährt damit Einblick in eine ebenso absurde wie gefährliche Situation. Die überaus dynamische (und musikalische) Montage verdeutlicht die rasche und verworrene Abfolge der Ereignisse, mischt sich zugleich kommentierend ein und beweist nicht selten Humor. Einem nicht immer souveränen britischen Nachrichtenkorrespondenten verhilft Wolski etwa zu nachträglichem Ruhm: „Am grundlegendsten ist die … Warten Sie, Entschuldigung, Entschuldigung, könnten Sie … Fotografieren und Filmen werden weitgehend kontrolliert …“
Eine einfühlsame Studie über Familie, Einsamkeit, Freundschaft und Liebe, vor dem Hintergrund der Massenabwanderung von Frauen aus der ländlichen Gegend an der kroatisch-bosnischen Grenze.
Renata Lučić, zugleich Regisseurin und Protagonistin, kehrt in ihren Heimatort zurück. In dem kleinen Dorf im kroatischen Teil-Slawoniens, nahe der bosnischen Grenze, besucht sie ihren Vater. Die ländliche Gegend am Ufer des Flusses Sava, „diese endlosen Wiesen und Gärten“ habe sie schon immer gehasst, verrät sie gleich in der einführenden Sequenz. Schon als Kind wusste sie, dass sie weggehen würde. Wie ihr älterer Bruder, wie ihre Mutter. Und wie 124.667 andere Frauen, die nach dem Krieg in den 1990er Jahren „in den Westen“ gingen, meist nach Deutschland und Österreich, um zu arbeiten – und nie wiederzukommen. In der kaum noch bewohnten und frauenlosen Ortschaft hängt sie nun mit ihrem ihr fremd gewordenen Vater Tomislav und seinem besten Freund Joso herum. Die Männer folgen ihren Routinen, sie arbeiten im Wald oder essen den Flussfisch, den sie selbst gefangen haben. In zunächst belanglos wirkenden Alltagsgesprächen bildet sich nach anfänglichen Missverständnissen und trotz deutlich unterschiedlicher Weltbilder zunehmend eine emotionale Nähe und Vertrautheit. Das Filmprojekt, das als Geschichte einer Auswanderung anfing, wird mehr und mehr zur einfühlsamen Studie über Einsamkeit, zwischenmenschliche Beziehungen, Freundschaft und Liebe; über die Schönheit der kleinen Dinge, die zu größeren Erkenntnissen führt – nicht nur für Renata.
Die Linien eines Kohlestiftes erforschen die Höhen und Tiefen einer Paarbeziehung. Die leidenschaftliche Partnerschaft wird skizziert, ausgebessert und am Ende weggewischt.
Lustvoll zeichnet „Y“ den Verlauf einer gleichgeschlechtlichen Paarbeziehung vom spielerischen Beginn bis zum turbulenten Ende. Die Linie eines Kohlestiftes wird zur Sprache, in der uns die Filmemacherin vom Prozess der Annäherung und Entfremdung, von Vereinigung und Streit erzählt. Es wird ein gemeinsamer Lebensabschnitt skizziert, korrigiert und verworfen.
Die Linie erforscht aber auch den weiblichen Körper. Rundungen, Hügel und Täler durchwandert die Spitze der Zeichenkohle. Sie umkreist wie ein Finger weiche Flanken und streicht sanft über Brüste und Hüften. In der Dunkelheit des Kinosaals darf unser Blick an den entstehenden und vergehenden Formen entlanggleiten. Wir werden Teil eines erotischen Liebesdreiecks und erhalten einen intimen Einblick in die vielgestaltigen psychologischen und körperlichen Aspekte dieser Partnerschaft.
Yaren fährt in diesem Sommer in ein Camp der besonderen Art. Hier trauern alle Kinder um jemanden, der ihnen nahestand. Ein Film über Verlust, Heilung und Freundschaft.
deutsche Untertitel für Menschen mit eingeschränkter Hörfähigkeit
Vor vier Jahren ist Yarens Mutter gestorben. In diesem Sommer fährt sie aufgeregt in ein Camp der besonderen Art: ein Trauercamp. Hier haben alle Kinder jemanden verloren, der ihnen nahestand. In fünf schönen und intensiven Tagen beschäftigen sich Yaren und die anderen Kinder mit dem, was sie alle verbindet: ihr Schmerz. Ein Film über Verlust, Heilung und Freundschaft.
Kugel, Quader und Kartoffelfigur trödeln auf dem Spielplatz des grauen Alltags herum, legen ihr Können zusammen und hüpfen in einen psychedelischen Kosmos, in dem sie miteinander verschwimmen.
Kugel, Quader und Kartoffelfigur trödeln auf dem Spielplatz des grauen Alltags herum. Nach einem buchstäblichen Kurz-Trip des kugeligen Gesellen in den bunten psychedelischen Kosmos, in dem Farben und Formen verschwimmen, gilt es nur noch, auch die Freunde mitzunehmen. Die drei legen all ihr Können zu einem Gummiball zusammen und springen in die neue zeitlose Welt.
Alltagsaufnahmen aus Tallinn, als 1988 nichts mehr alltäglich ist. Mit patriotischen Liedern und Symbolen wird die estnische Identität zelebriert. Das Land fordert seine Unabhängigkeit.
Alltagsaufnahmen aus sieben Monaten in Tallinn, wo 1988 nichts mehr alltäglich ist. Im Zuge der Perestroika erstarkt das nationale Bewusstsein der Bevölkerung und die Rückbesinnung auf die estnische Identität wird von den Massen zelebriert. Das Ende der sowjetischen Okkupation soll kommen. Beobachtungen aus einem Land im Umbruch, kommentiert mit zärtlicher Ironie.
Yasin El Harrouk ist Yonii ist Schauspieler, Musiker, Schwabe, Marokkaner. Dieses Porträt stellt ihn als stolzen Besitzer mehrerer Kulturen vor – die ihn stets auch herausfordern.
Yasin El Harrouk ist Yonii ist Schauspieler, Rapper, Sänger, Schwabe, Marokkaner. Dieses Porträt stellt ihn als quirligen Wandler zwischen Lebens- und Kreativkulturen vor, zwischen Rollen, die er im Studio und vor der Kamera spielt, und Erwartungen, die Familie und Community an ihn haben. Yonii besitzt zwei Sprachen und noch mehr Welten – und genießt diesen Reichtum. Aber auf dem Sofa im Stuttgarter Wohnzimmer seiner Mutter zeigt sich, dass Weltenvielfalt auch andauerndes Abwägen bedeutet.
Raue Poesie in Bild, Wort und Klang. Voll emotionaler Wucht verhandelt der Film mit Fotografie, Malerei, Collage und Video den Kipppunkt von körperlichem Verlangen zu seelischer Verletzung.
Kraftvolle Poesie in Bild, Wort und Klang – Max Fergusons Arbeit ist ein Rohdiamant, der von einer emotionalen, unpolierten Wucht zeugt und dessen Licht sich in viele Farben bricht. Ferguson mischt Elemente aus Fotografie, Malerei und Collage mit kurzen Videosequenzen, findet starke verbale und visuelle Bilder und markiert damit den Kipppunkt von körperlichem Verlangen zu seelischer Verletzung. Raue Ästhetik und düstere Atmosphäre, die an frühe Undergroundfilme erinnern, verbinden sich mit sehr viel Feinfühligkeit und einer stets wachen, fast animalischen Neugier. Sie manifestieren ein sehr heutiges weibliches Selbstverständnis. Der Balanceakt zwischen Schmerz und Selbstachtung vollzieht sich in einem Klangkosmos aus elektronischem Donnern und nervösem Dröhnen. Während der kraftstrotzende Lastwagen seine Bahn nicht verlassen kann, folgt das Wild seinem Instinkt und findet einen (neuen) Weg, auch wenn es vom Wolf lernen muss.
Ein 360°-Blick in die Ukraine, 2022. Die russische Invasion schreitet voran. Mitten im Krieg entsteht ein solidarisches Miteinander, das auch widerständisch-schöpferische Kräfte freisetzt.
August 2022, ein 360°-Blick in die Ukraine, die sich seit einem halben Jahr der russischen Invasion widersetzt. Mitten im Kriegsgeschehen entsteht ein solidarisches Miteinander, das auch widerständisch-schöpferische Kräfte freisetzt: Museen verstecken Sammlungen, ein Straßenkünstler findet seine Berufung, Opernensembles und Rave-Communitys werden lauter, wenn der Bombenalarm sie übertönen will …
Lars Rummel
Credits
Produktion
Iryna Sayeivich, Julius Hackspiel, Mia von Kolpakow, Sandra Bialystok, Jonathan Gleit, Erika Barraza, Olha Tsybulska