In einer apokalyptischen, parabelhaft auf die Realität verweisenden Fantasiewelt wird deutlich, wie Lebewesen reagieren (können), wenn sie mit existenzieller Not konfrontiert sind.
Jonatan Schwenk schafft mit seinem vielfach preisgekrönten Animationsfilm eine eindringliche Parabel über Mitgefühl und Solidarität. Sprachlose Wesen mit brennenden Augen sehen sich plötzlich mit der Not einer anderen Spezies konfrontiert. Zunächst reagieren sie darauf abwartend und stoisch. Doch als die Zwangslage der Artfremden ihre eigene Seelenruhe anzugreifen beginnt, schreiten sie zur Tat … „Sog“ besticht durch viele kreative Ideen auf der Animationsebene, und es gelingen archaische Bilder, die gleichzeitig abstrakt und realistisch wirken. Ganz ohne Worte wird erfahrbar, wohin ein Mangel an Empathie führen kann und dass es immer mindestens zwei Handlungsoptionen gibt.
Auf der Suche nach Kater Leo streift ein Junge durch sonnige, buntstiftfarbene Felder. Im sorglosen Treibenlassen bäumt sich noch einmal die Kindheit auf, bevor sie erlischt.
Auf der Suche nach Kater Leo streift ein Junge durch sonnige Felder. In diesem sorglosen Treibenlassen oder beim Schätzeheben im geheimnisvollen Dunkel der Scheune bäumt sich noch einmal die Kindheit auf, bevor sie erlischt. Über die Buntstiftfarben des Sommers legt sich ein Flüstern und Rascheln des Behütetseins – und eine Vorahnung. Mara Cerri und Magda Guidi schärfen die Sinne für die Eindrücke einer verwirrenden Zeit.
Die DDR befürwortete im israelisch-palästinensischen Konflikt zunächst explizit den UN-Teilungsplan von 1948, um sich ab 1965 jedoch zunehmend einseitiger zu positionieren.
Im Zeichen internationaler Solidarität wird arabischen Kindern aus Flüchtlingslagern in Jordanien 1970 ein Ferienaufenthalt in der DDR ermöglicht. Diese politische Geste reihte sich in eine kurz zuvor neu ausgerichtete Positionierung der DDR im israelisch-palästinensischen Konflikt ein. Anlässlich der Weltjugendspiele 1973 sah man dann bereits Jassir Arafat neben Erich Honecker vor den Kameras.
Eine Lebensanleitung aus dem Nichts: „Holen Sie tief Luft, sagen Sie JAAA!“ Doch der anonyme Guru wird zum schwatzhaften Flaneur durch das eigene psychedelische Problem-Universum.
Eine Stimme aus dem Nichts verkündet eine Anleitung zum Leben: „Holen Sie tief Luft, sagen Sie JAAA! … und hören Sie auf, langweilig zu sein!“ Allerdings entgleiten dem anonymen Lehrmeister Regeln und Autorität. Er wird zum schwatzhaften, widersprüchlichen Flaneur durch das Universum seiner problembehafteten Privatheiten. Das Design der Therapieeinheiten hat es faustdick hinter den Ohren.
André Eckardt
Credits
Regie
Patrick Buhr
Buch
Patrick Buhr
Schnitt
Patrick Buhr
Produktion
Ute Dilger
Ton
Marvin Horsch, Donghee Nam, Jonathan Kastl
Animation
Patrick Buhr
Sprecher*in
Erik Hansen
Performer
Vanja Smiljanić, Sina Seifee, Lia Sudermann, Matthias Conrady
Im Urwald geht die Sonne unter. Der kleine Affe schaukelt von Blatt zu Blatt. Seine Träume sind bunt und wild … Ein filmisches Wiegenlied, bei dem bestimmt niemand einschlafen wird.
Im Urwald geht langsam die Sonne unter. Der kleine Affe macht die Augen zu. Von einem grünen Blatt zum nächsten schaukelt er und gleitet sanft in den Schlaf. Doch was ist das? Plötzlich wird die Welt der Träume dunkler, bunter und wilder. Mysteriöse Pflanzen, Kreaturen und Formen säumen den Weg durch die Nacht … „Somni“ ist ein filmisches Wiegenlied. Doch einschlafen wird hier wohl niemand.
Kinder, die sich als Richter aufspielen, erteilen dem Nachbarsjungen eine Lektion. Das Mobbingszenario nach Charles Bukowski zeigt in rohem Comicstil mörderische Gruppendynamik.
Ein erschütterndes Mobbingszenario nach einer Short Story von Charles Bukowski, das dessen Sprache in rohem Comicstil authentisch umsetzt. Eine Kindergang erteilt dem Nachbarsjungen eine Lektion. Das sei ihre Pflicht, reden sich die selbsternannten Gerechten ein. Was wie ein Spiel beginnt, steigert sich in einem Gefüge aus Dominanz und banaler Irrationalität zu mörderischer Gruppendynamik.
In der Einöde Sibiriens hat sich eine Glaubensgemeinschaft ihre Musterstadt erschaffen. Eine Langzeitstudie und postsowjetische
Erzählung, während die Militarisierung des Landes näher rückt.
Die Winter in der sibirischen Taiga mögen lang sein, dafür liegt Moskau weit weg. In der endlosen Landschaft zu Füßen des östlichen Sajangebirges hat sich Anfang der 1990er Jahre eine Glaubensgemeinschaft rund um den ehemaligen Verkehrspolizisten Sergej Torop niedergelassen. Nach einem Erweckungserlebnis nennt dieser sich Wissarion, trägt wallende Gewänder, lange Haare und tritt als Sohn Gottes auf Erden auf. In den Häusern seiner Anhängerschaft hängen farbverklärte Porträts, auf denen „der Lehrer“ selbstverloren in die Ferne schaut. Zusammen erschufen sie den Musterort „Wohnstätte der Morgendämmerung“, von den Ansässigen auch „Sonnenstadt“ genannt, um eine neue Gesellschaft aufzubauen. Fünf Mal reiste die Regisseurin Kristina Shtubert zwischen 2013 und 2022 nach Sibirien. Ihr Blick ist registrierend. Es geht weniger um Glaubens- und Sinnsuche, sondern vielmehr um die Frage, ob die Sonnenstädtler*innen hier zufriedener sind als in ihren abgelegten Leben. Und was wären ihre Alternativen? Mehr und mehr wird die Langzeitbeobachtung zu einer postsowjetischen Erzählung vom ausgeblendeten Staat. Währenddessen schreitet die Militarisierung des Landes voran. Moskau rückt immer näher.
Anke Leweke
Credits
Regie
Kristina Shtubert
Kamera
Hanna Mayser
Schnitt
Dietmar Kraus, Calle Overweg, Adrienne Hudson
Produktion
DFFB Deutsche Film- und Fernsehakademie Berlin
Co-Produktion
Kristina Shtubert, Rolf Bergmann
Sound Design
Sasha Valent
Produktionsfirma
DFFB Deutsche Film- und Fernsehakademie Berlin
-
Andreas Louis, Margarita Amineva-Jester
Nominiert für:
Filmpreis Leipziger Ring,
DEFA Förderpreis,
VER.DI Preis für Solidarität, Menschlichkeit und Fairness,
MDR-Filmpreis
Der Alltagstrott im Leben eines jungen Paares: aufstehen, Suppe essen, Tagträume … Surreale, animierte Fotocollagen und elektroakustische Klänge kehren das Innere nach außen.
Der Alltagstrott im Leben eines jungen Paares: aufstehen, Mitesser ausdrücken, Suppe essen, Tagträume … Zbigniew Rybczyński überarbeitet reale Bilder und kreiert surreale Collagen, um visuell das Innere nach außen zu kehren. Er wird dabei vom polnischen Komponisten Eugeniusz Rudnik unterstützt, dessen großer elektroakustischer Ideenreichtum spielerisch zwischen Naturalismus und Verfremdung wechselt.
Vater und Tochter klettern hoch hinaus, gleiten durchs Wasser, fahren über Land, fliegen durch die Luft und weiter bis ins All. Ein Film über das Sammeln von Erinnerungsstücken.
Für Vater und Tochter beginnt der Tag. Sie klettern über ihr Baumhaus hinaus, gleiten über und unter Wasser, kommen durch blühende Landschaften, fahren durch die Luft und fliegen weiter ins All. Per Schiff, per Fahrrad, im Ballon oder zu Fuß. Ein Film über das Reisen, das Sammeln von Erinnerungsstücken im Vorbeiziehen und die Frage, was am Ende eines Lebens übrig bleibt.
Sowjetische Truppen in Prag und Budapest (Panorama, 29.7.1968)
anonymous
Ein neugieriger Blick auf das sozialistische Reform-Experiment in Prag, mit skeptischen Untertönen: Endet alles wie in Ungarn 1956? An der Grenze der ČSSR fahren bereits sowjetische Panzer auf.
Sowjetische Truppen in Prag und Budapest (Panorama, 29.7.1968)
Sowjetische Truppen in Prag und Budapest (Panorama, 29.7.1968)
anonymous
Retrospektive 2023
Dokumentarfilm
BRD
1968
15 Minuten
Deutsch
Untertitel: 
Keine
Prag im Juli 1968. Das westdeutsche TV-Magazin Panorama berichtet über die Situation in der ČSSR und zieht Parallelen zur Entwicklung in Budapest 1956. Neugierig und zugleich skeptisch spürt der Beitrag den Möglichkeiten einer unabhängigen Reformbewegung nach, analysiert aber zugleich nüchtern, dass die Sowjetunion dies nicht dulden wird. An der Grenze warten bereits die Panzer.
Ein autobiografischer Einblick in die Familiengeschichte Isabel Hergueras zeigt uns einen Ausschnitt spanischer Geschichte aus einem sehr persönlichen Blickwinkel.
Isabel Herguera persönlich begrüßt uns in der Titelsequenz dieses autobiografischen Kurzfilms und lässt uns für einen kurzen Augenblick hinter die Kulissen ihrer Arbeit als Künstlerin schauen. Gleich darauf begeben wir uns mit ihr auf einen rasanten Trip durch einen Ausschnitt ihrer Familiengeschichte, der mit der Geburt ihrer Brüder im Jahre 1965 beginnt und mit dem Tod von General Franco 1975 endet.
Nach 30 Jahren besucht Bademsoy erneut die ehemaligen Spielerinnen des ersten türkischen Mädchenfußballclubs in Berlin. Viele Fragen stellen sich noch immer, auch zum Deutschsein.
„Du musst halt versuchen, dein eigenes Leben zu führen“, forderte Arzu, eine der Fußballerinnen aus der türkisch-Kreuzberger Mädchenmannschaft Ağrı Spor in einem Film von Aysun Bademsoy aus dem Jahr 1995. Heute ist sie Ende vierzig, und wie ihre ehemaligen Mitspielerinnen Türkan, Nalan und Nazan führt sie ein eigenes Leben. Zum vierten Mal hat Bademsoy die vier besucht, ihre Lebenswege weiterverfolgt, ihre Zukunftsvorstellungen von damals in Erinnerung gerufen. Und diesmal hat sie auch ihre Töchter befragt, von denen einige gerade erwachsen werden und ebenfalls über Anpassung, Tradition, Religion und Kultur nachdenken. Zwischen damals und heute hat sich wenig verändert, das Deutschsein bleibt in jeder Generation eine schwer zu beantwortende Frage. Aysun Bademsoy gelingt ein feinmontiertes Schichtwerk deutsch-türkischer Perspektiven, in dem weibliche Identitätskonzepte einer Gesellschaft zurückspiegelt werden, die Integration nur als Erwartungshaltung formuliert. „Wenn andere nicht akzeptieren, dass wir Deutsche sind, wie sollen wir das dann akzeptieren?“, fragt Selin, die Tochter von Türkan. Man muss die drei früheren Filme nicht kennen, um „Spielerinnen“ zu verstehen – und um die Bedeutung dieses Projekts wertzuschätzen, das nun bald dreißig Jahre umfasst. Das Schönste daran: Fußball gespielt wird auch wieder!
Jan Künemund
Credits
Regie
Aysun Bademsoy
Kamera
Ines Thomsen, Isabelle Casez
Schnitt
Maja Tennstedt
Produktion
Alex Gerbaulet
Ton
Ivonne Gärber, Camilo Garcia Castro
Sound Design
Titus Maderlechner
Nominiert für:
VER.DI Preis für Solidarität, Menschlichkeit und Fairness,
Gedanken-Aufschluss-Preis
In knappen, pointiert zu Musik von Louis Armstrong montierten Bildfolgen wird der vergnügliche Triumph des jungen Lebens über die Hindernisse beim Aufbruch in die Welt begleitet.
In knappen, pointiert zu Musik von Louis Armstrong montierten Bildfolgen wird der vergnügliche Triumph des jungen Lebens über die Hindernisse beim Aufbruch in die Welt begleitet. So kurz der Film und kurios sein Inhalt, so interessant ist auch die wechselvolle Geschichte der Arbeits- und Aufführungstitel von „Spring, wenn du kannst“. Die Fachzeitschrift „Film und Fernsehen“ stellt ihn 1987 schlicht als „Ein DEFA-Film von“ vor. Der dort abgedruckte Text endet mit einem Satz in Klammern: (Und manch ein Zuschauer mag die Beherztheit der kleinen Enten bestaunen und sich selbst ermutigt fühlen.)
Eine Zeichentrickfigur mit piepsiger Stimme und eine Seele, der es nicht gut geht, klagen über Unzulänglichkeiten. Kann die neue App „Squish!“ wirklich Abhilfe schaffen?
Auf einer bunten, poppigen Rutschpartie geht es kurvenreich in die emotionale Untiefe. Eine piepsige Stimme klagt über ihre Unzulänglichkeiten. Sie gehört einer Zeichentrickfigur, die einer Seele, der es nicht gut geht, als Auffangschale dient. Ihr Schöpfer hat sie zusammengestückelt, aber etwas Ganzheitliches flutschte aus dem demiurgischen Brei nicht heraus. Tulapop Saenjaroen legt die Anfänge der thailändischen Animation frei und blickt kritisch auf das Zukunftsversprechen medialer Placebos.
„Kommunismus – das ist Sowjetmacht plus Elektrifizierung des ganzen Landes“, so Lenin. Das größte Land der Erde, vorgestellt in gewaltigen Bildern, die in Ehrfurcht erstaunen lassen sollen.
Sankt Petersburg als Wiege der Oktoberrevolution 1917, Moskau als Geburtsort der Sowjetunion 1922: Gemäß Lenins Diktum „Kommunismus – das ist Sowjetmacht plus Elektrifizierung des ganzen Landes“ wird die Beherrschung der Naturkräfte und die Ausbeutung der natürlichen Ressourcen in eindrucksvollen Bildern belegt – unter Betonung der Eigenständigkeit und Brüderlichkeit aller Sowjetrepubliken.
Eine wilde Ironisierung und Dekonstruktion des alten sowjetischen Pathos vom Sieg des technischen Fortschritts – wie der beschleunigte Herzschlag kurz vor dem Infarkt.
Übermalungen und Einritzungen in Szenen aus dem russischen Science-Fiction-Film „Silver Heads“ von Jewgeni Jufit. Ist dieses Werk selbst schon eine hanebüchene Dekonstruktion des alten sowjetischen Pathos vom unausweichlichen Sieg des wissenschaftlich-technischen Fortschritts, so muss „Stakes“ als dessen drogeninduzierte Übersteigerung ins Unübertreffliche gelten.
Ralph Eue
Credits
Regie
Boris Kazakov
Buch
Boris Kazakov
Kamera
Boris Kazakov
Schnitt
Boris Kazakov
Produktion
Saint Petersburg International Film Festival of Festivals