Ungelesene Liebesbriefe erzählen von studentischer Auflehnung gegen die repressive indische Politik – und gleichzeitig vom schwierigen Verhältnis zwischen Erinnerung und Gegenwart.
Unruhen und Proteste an einer indischen Filmhochschule, erzählt anhand von Briefen, die Studentin L an ihren Geliebten K verfasst und in denen sie das Geschehen um sie herum reflektiert. Während die staatliche Gewalt den Aufstand immer weiter zurückdrängt, begreift L, dass sie nie eine Antwort bekommen wird, denn K gehört einer höheren Kaste an. Die anonymen Zeilen sind wehmütige Echos einer Liebestragödie in Zeiten des Wiedererstarkens einer nationalistischen Klassengesellschaft.
Das aus vielfältigen Quellen zusammengestellte Bildmaterial, welches von langen, zehrenden Protestnächten, aber auch von großer Geschlossenheit und jugendlicher Lebensfreude zeugt, taucht Regisseurin Payal Kapadia fast durchgängig in grobkörniges Schwarz-Weiß. Selbst Aufnahmen von Handy- und Überwachungskameras rücken so in ästhetische Verwandtschaft zu 16mm-Studentenfilmen vergangener Dekaden. Doch vor diesem Kontrast tritt die unmittelbare, unabgeschlossene Natur des Dargestellten nur umso mehr hervor und verweist so auf den komplexen Dialog, den fragile Erinnerung und eine sich überschlagende Gegenwart im Film miteinander führen. Eine Gegenwart, in der Fragen nach künstlerischer Veranschaulichung, aber auch nach persönlicher Verantwortung neu verhandelt werden müssen.
Katrin Hauser, Lenia Friedrich, Arjun Patel, Milan Haupt, Dexin Yin, Quingqi Ren, Tianyi Zhang, Diego Herguera, Raquel Gálvez Soto, Toni Planas Portas, César García Villafaina, Inés Gonzáles, Candela Carroceda, Agata Tracevič, Justinas Erminas, Eva Rodz, Žilvinas Baranauskas, Margarita Valionytė
Die Studierenden von sieben internationalen Hochschulen tauschen sich online über ihre erzwungene Isolation im Lockdown aus – und kommen sich über dieses gemeinsame Filmprojekt nah.
Katrin Hauser, Lenia Friedrich, Arjun Patel, Milan Haupt, Dexin Yin, Quingqi Ren, Tianyi Zhang, Diego Herguera, Raquel Gálvez Soto, Toni Planas Portas, César García Villafaina, Inés Gonzáles, Candela Carroceda, Agata Tracevič, Justinas Erminas, Eva Rodz, Žilvinas Baranauskas, Margarita Valionytė
Hommage: Isabel Herguera 2024
Animationsfilm
Deutschland,
Schweiz,
China,
Indien,
Mexiko,
Kolumbien
2020
16 Minuten
Englisch,
Hindi,
Chinesisch,
Italienisch,
Spanisch,
Albanisch,
Portugiesisch (Portugal)
Untertitel: 
Englisch
Anfang 2020 steht die Welt im Lockdown still. Die Wohnungen werden zu Raumstationen, die gegen die Außenwelt luftdicht abgeriegelt sind. Niemand geht vor die Tür, nur die Gedanken gehen auf Wanderschaft. Die Studierenden von sieben internationalen Hochschulen tauschen online persönliche Eindrücke und Reflexionen der erzwungenen Isolation aus und kommen sich über dieses gemeinsame Filmprojekt nahe.
Franka Sachse
Credits
Regie
Katrin Hauser, Lenia Friedrich, Arjun Patel, Milan Haupt, Dexin Yin, Quingqi Ren, Tianyi Zhang, Diego Herguera, Raquel Gálvez Soto, Toni Planas Portas, César García Villafaina, Inés Gonzáles, Candela Carroceda, Agata Tracevič, Justinas Erminas, Eva Rodz, Žilvinas Baranauskas, Margarita Valionytė
Die Briefe ehemaliger FARC-Guerilleros aus Kolumbien bilden die Grundlage dieser persönlichen Erinnerungen. – Ein berührender, durch seine visuelle Experimentierfreude beeindruckender Film.
Ehemalige Kämpfer*innen der kolumbianischen FARC-Guerilla berichten in Briefen von den für sie prägendsten Erfahrungen aus der Zeit im bewaffneten Untergrund. Studierende von Universitäten auf drei Kontinenten nehmen sich in einem parallel ablaufenden kollektiven Prozess dieser persönlichen Erinnerungen an und entwickeln einen berührenden, durch seine visuelle Experimentierfreude beeindruckenden Film.
Franka Sachse
Credits
Regie
collective
Produktion
Kunsthochschule für Medien Köln, National Institute of Design, Universidad Nacional Autónoma de México, Universidad Nacional de Colombia en Bogotá, Pontificia Universidad Javeriana, China Central Academy of Fine Arts
Die Selbstmordrate unter Landwirten in Indien ist erschütternd. Die zurückbleibenden Frauen, nun allein für die Kinder und Schuldenberge verantwortlich, solidarisieren sich. Kraftvolles Kino!
Sanjivani, eine junge Frau aus einer ländlichen Gegend im Bundesstaat Maharashtra in Zentralindien, ist eine liebevolle, zärtliche Mutter. Nach dem Selbstmord ihres Ehemannes lebt sie bei ihrem Schwager, für den sie auf den Feldern arbeiten muss. Für ihre zwei Kinder ist sie nun allein verantwortlich, konfrontiert mit einem Schuldenberg, den ihr Ehemann hinterließ, und Strukturen einer patriarchalischen Gesellschaft, die Witwen wie sie entmündigt und unsichtbar werden lässt. Erst als sie sich einer Gruppe von Frauen anschließt, denen ein ähnliches Schicksal widerfuhr, gewinnt sie langsam an Selbstbewusstsein. Denn sie ist mit ihrer Verzweiflung und Trauer nicht allein – die Selbstmordrate unter Bauern, die sich angesichts ausfallender Ernten und der Dumpingpreise auf dem globalisierten Markt das Leben nahmen, erschüttert: 400.000 in den letzten zwanzig Jahren. Kinshuk Surjan beobachtet Menschen und Umstände nicht nur mit Anteilnahme, sondern er steht auch für ein Kino, das Einfluss nimmt. Denn die Frauengruppe, die er hier begleitet, hat sich erst durch sein Filmprojekt zusammengefunden. In beeindruckenden Bildern und mit Feingefühl für die porträtierten Protagonist*innen gelingt nicht nur eine sorgfältige Darstellung hochkomplexer Zusammenhänge, sondern auch eine wahrhaftige dokumentarische Intervention: ein Eingriff in unzumutbare Verhältnisse – mit dem Ziel ihrer Besserung.
Die Menschen wundern sich über das Verschwinden des Mondes. Derweil flieht ein Bulle aus seiner Herde und geht auf einen poetischen Trip durch die Nacht – mit überraschendem Finale.
In einer mondlosen Nacht entflieht ein vorwitziger Bulle aus der Herde. Er prescht durch Felder und über Hügel, bis er schließlich an einem Tümpel zum Stehen kommt. Dort heftet sich ihm ein Stück Papier an, auf welchem ein Gedicht entsteht. Der Bulle schüttelt das Papier ab und schleicht sich in die Stadt. Dort betrachtet er die Menschen bei ihren nächtlichen Geschäften. Er wird Zeuge einer polizeilichen Ermittlung, belauscht zwei Lastwagenfahrer und beobachtet den Diebstahl eines Haltestellenhäuschens. All diese Erfahrungen werden begleitet von poetischen Kommentaren des Erzählers und kulminieren in einem köstlichen Gesangsteil, untermalt von einer Tanz- und Performance-Nummer des Bullen.
Währenddessen geraten die Menschen in der Stadt in Aufruhr über den unauffindbaren Mond. Sie suchen, diskutieren und protestieren. Doch der Mond bleibt verschwunden – bis sich der Bulle am Ende seiner Reise verwandelt.
Sadhya wünscht sich Lehrerin zu werden und möchte fleißig dafür lernen. Doch das Geld, das ihre Eltern verdienen und von dem sie die siebenköpfige Familie ernähren, ist dafür zu knapp.
Während eines Workshops mit Mehendi-Künstlerinnen in Indien, der Teil der Projektentwicklung des Langfilms „Sultana’s Dream“ war, entstand dieses animierte Mädchenporträt. Detailreiche Hennazeichnungen bebildern die Erzählung der 15-jährigen Sadhya. Den Wunsch, Lehrerin zu werden, kann ihr die Familie nicht erfüllen. Sie übt sich als Schneiderin, um das Studium eines Tages selbst finanzieren zu können.