Filmarchiv

Filmstill Dog-Apartment

Dog-Apartment

Koerkorter
Priit Tender
Internationaler Wettbewerb Kurzfilm 2022
Animationsfilm
Estland
2022
14 Minuten
ohne Dialog
Untertitel: 
Englisch
Getrieben vom Bellen der nimmersatten Mietwohnung, bahnt sich ein gealterter Balletttänzer seinen Weg durch eine dauerverregnete Einöde zur monotonen Erwerbsarbeit. Zu Tschaikowskis Schwanensee vollführt der Protagonist grazile Bewegungen und scheint kurz erfüllt. Aber das Publikum? Perlen vor die Kühe! Priit Tenders bissige, surreale Stop-Motion-Animation assoziiert frei nach einem Gedicht von Andres Ehin über einen zermürbenden, gefräßigen Alltag, der auf den Hund gekommen ist.
Samuel Döring

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Regie
Priit Tender
Buch
Priit Tender
Kamera
Ragnar Neljandi
Schnitt
Priit Tender
Produktion
Kerdi Oengo
Ton
Gabriel Solis
Musik
Neoton Familia, Ion Suruceanu
Animation
Marili Sokk, Egert Kesa
Nominiert für: mephisto 97.6-Publikumspreis
Filmstill Kyiv Cake

Kyiv Cake

Kiievi tort
Mykyta Lyskov
Internationaler Wettbewerb Animationsfilm 2025
Animationsfilm
Estland
2025
22 Minuten
Ukrainisch,
Russisch
Untertitel: 
Englisch
Der Hirsch auf dem Schlafzimmergemälde tritt energisch ins Gras und der Vater wacht auf. Frau und Baby schlummern noch. In ausgeleierten Boxershorts, die den Blick auf einen verloren wirkenden Hoden freigeben, beginnt er den allmorgendlichen Kampf gegen den Stromzähler, der sein schnappendes Maul nur schließt, wenn man genügend Scheine einwirft. Mykyta Lyskov porträtiert bitterböse, unglaublich lustig und tieftraurig eine prekär lebende ukrainische Familie prä-2022. Er nutzt anthropomorphe und surrealistische Überspitzungen, um die Not plastisch zu machen, sowie zahlreiche kulturelle Referenzen, um Fragen nach Zugehörigkeit und Nationalstolz aufzuwerfen.
In Lyskovs Film bleibt alles trostlos, als wäre 1990 noch gar nicht lang her: endlose Plattenbauschluchten, Müll, Perspektivlosigkeit. Kein Wunder, dass der Vater seinen Pass wie einen veritablen Goldschatz hütet und als kleiner gelb-blauer Vogel nach Westeuropa zum Arbeiten davonflattert. Zurück bleibt die Ehefrau, die mit Einfallsreichtum den gierigen Stromzähler in Schach hält, während der Sohn zum Hooligan heranwächst. Dass die in dieser aussichtslosen Gemengelage mehr schlecht als recht wiedervereinte Familie am Küchentisch zuschauen muss, wie eine Bombe aus dem Nichts das Gebäude gegenüber niederreißt, ist eine absolute Zumutung. Fantastisch, dass Lyskov sie mit so viel überbordender Wut für uns festhält.
Marie Ketzscher

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Regie
Mykyta Lyskov
Buch
Mykyta Lyskov
Schnitt
Mykyta Lyskov
Produktion
Kalev Tamm
Sound Design
Horret Kuus
Animation
Aili Allas, Tarmo Vaarmets, Mykyta Lyskov, Shara Arus
Nominiert für: Gedanken-Aufschluss-Preis, mephisto 97.6-Publikumspreis
Filmstill On Weary Wings Go By

On Weary Wings Go By

Linnud läinud
Anu-Laura Tuttelberg
Internationaler Wettbewerb Animationsfilm 2024
Animationsfilm
Estland,
Litauen
2024
11 Minuten
ohne Dialog
Untertitel: 
Keine
Ein letztes Mal kriecht die kraftlose Sonne über den Horizont. Über dem See weht bereits ein kühler Wind. Die Zugvögel machen sich auf den Weg in wärmere Gefilde und verlassen das nordische Naturparadies. Heftige Schneeschauer hüllen das Land in einen weißen Mantel. Die zum Ausharren verdammten Tiere – zerbrechliche Wesen aus zartem Porzellan – klammern sich an Zweige, suchen Schutz. Keines von ihnen entkommt dem frostigen Griff des sich ausbreitenden Winters. Sie werden beobachtet von einem winzigen Mädchen, ebenfalls aus hauchfeiner, transparent-weißer Keramik, das schließlich allein in der erstarrenden Landschaft zurückbleibt.
Anu-Laura Tuttelbergs sinnbildhafte Erzählung ist berührend schön und gleichzeitig voller anregender Irritationen. Denn ihre Kunst bricht sich an der Naturwirklichkeit. Sie animierte ihre Puppen nicht in einem warmen Studio, sondern setzte sie den Elementen aus: an Drehorten im Norden Estlands und auf einer Insel im Europäischen Nordmeer. In ihrem Film begegnen sich grausame Gewalten, beunruhigende Fragilität und die erneuernde Kraft der Kälte – ambivalent und elegant.
Franka Sachse

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Regie
Anu-Laura Tuttelberg
Buch
Anu-Laura Tuttelberg
Kamera
Anu-Laura Tuttelberg, Francesco Rosso
Schnitt
Daniel Irabien Peniche, Silvija Vilkaitė
Produktion
Marianne Ostrat
Co-Produktion
Agnė Adomėnė
Sound Design
Olga Bulygo
Musik
Maarja Nuut
Animation
Anu-Laura Tuttelberg
Filmvertrieb
Flavio Armone
Nominiert für: mephisto 97.6-Publikumspreis
Ausgezeichnet mit: Goldene Taube Kurzfilm (Internationaler Wettbewerb Animationsfilm)
Filmstill The Diffusion Pilot

The Diffusion Pilot

The Diffusion Pilot
Aurelijus Čiupas
Internationaler Wettbewerb Animationsfilm 2024
Animationsfilm
Estland
2024
7 Minuten
Englisch
Untertitel: 
Englisch
Hinein in einen Sternenhimmel, voll mit bunten Punkten! Die Propeller sind angeworfen. Begleitet vom Brummen und Aufheulen des Motors startet die Maschine. Ihre live zu verfolgende Mission: Bilder vergleichen, aussortieren, übereinanderlegen, eine visuelle Wirklichkeit aus Dots und Pixeln kreieren. Ein Park wird gewünscht, aber mit wie vielen Bäumen? Ein fesches Auto wird erträumt, aber welche Karosserie ist schnittig genug? Die vom Piloten durchgegebenen Variablen bestimmen, was auf dem Monitor erscheint – Skulpturen aus Möglichkeiten oder Plastiken aus gemorphten Versatzstücken. Der Tank ist gefüllt mit Millionen von immer weiter nachfließenden Bildern für unendlich viele Kombinationen. Doch wer steuert eigentlich die einzuschlagende Flugroute?
Wohlbedacht, durchaus auch mit Augenzwinkern geht Aurelijus Čiupas in seinem kurzen Filmessay ethischen und philosophischen Fragen nach. Was kann und soll Animation, die mittels künstlicher Intelligenz nach dem Diffusionsmodell generiert wird? Der Pilot Čiupas verordnet der Maschine „eine Art artifizielle Demenz“. Man kann ihr beim Zur-Ruhe-, Zur-Entrückung-Kommen wahrlich zuschauen. Die Bildwelt löst sich wieder im Kosmos bunter Punkte auf.
André Eckardt

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Regie
Aurelijus Čiupas
Schnitt
Aurelijus Čiupas
Produktion
Lyza Jarvis
Ton
Aurelijus Čiupas
Animation
Aurelijus Čiupas
Nominiert für: mephisto 97.6-Publikumspreis
Re-Visionen 2020

The Institute of the Dream

Mati Kütt
Der große Sandmann betört seine Klientel mit Schlummerkörnern, während emsige Helferlein Kissen aufschütteln, damit alle, die vom Schlaf befallen werden, auch weich gebettet sind.
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The Institute of the Dream

Une instituut
Mati Kütt
Re-Visionen 2020
Animationsfilm
Estland
2006
11 Minuten
ohne Dialog
Untertitel: 
Keine
Der Tag geht zur Neige und die Welt ist erschöpft. Die Stunde des großen Sandmanns hat geschlagen. Er betört seine Klientel mit Schlummerkörnern, während emsige Helferlein Kissen aufschütteln, damit alle, die vom Schlaf befallen werden, auch weich gebettet sind. Irgendwann spürt dann vielleicht ein jeder Mensch, dass es mehr Ding’ zwischen Nacht und Tag gibt, als unsere Schulweisheit sich träumt.
Ralph Eue

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Regie
Mati Kütt
Buch
Mati Kütt
Kamera
Urmas Jõemees
Schnitt
Mati Kütt, Urmas Jõemees
Produktion
Nukufilm
Ton
Horret Kuus
Musik
Andres Tenusaar
Animation
Märt Kivi
Filmstill The Last Relic

The Last Relic

Viimane reliikvia
Marianna Kaat
Panorama: Mittel- und Osteuropa 2023
Dokumentarfilm
Estland,
Norwegen
2023
104 Minuten
Russisch
Untertitel: 
Englisch

In den vorbeifahrenden Bussen und Straßenbahnen schauen die Leute ungläubig aus den Fenstern. Der Gegenschuss zeigt eine Protestmenge. Zwei Dutzend Menschen vielleicht, ein paar mit Schildern, einer schreit: „Putin in den Knast!“ Es ist ein symbolisches Bild vom dürftigen Zustand der russischen Opposition – im Jahr 2017, der Angriffskrieg gegen die Ukraine liegt noch in der Zukunft. Über einen Zeitraum von mehreren Jahren porträtiert „The Last Relic“ Personen aus unterschiedlichen oppositionellen Gruppen: ein Student vom marxistisch-leninistischen „Linken Block“ ist dabei, ein Lehrer mit Sympathien für Nawalny, ein Baggerfahrer fordert die Umverteilung der Ressourcen. Es fehlt diesen Aktivist*innen an Unterstützung, an Mut jedoch nicht. Einer kommt aus der Haft und hat einen Hungerstreik überlebt. Die anderen müssen jeden Moment selbst mit einer Anklage rechnen.

Die Ural-Metropole Jekaterinburg ist Schauplatz dieses Films. Der Großteil der Menschen dort, so verkündet ein Insert, träume von der „Rückkehr zu imperialem Ruhm“. Die estnische Regisseurin Marianna Kaat, geboren 1965, hat noch einen beträchtlichen Teil ihres Lebens im sowjetischen Imperium verbracht. Sie inszeniert die Mehrheitsgesellschaft auf Militärparaden als uniforme Menge und kontrastiert sie mit den Individuen der Opposition. Nur wenige Filme bieten solche Einblicke in deren fortdauernde prekäre Lage.

Jan-Philipp Kohlmann

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Regie
Marianna Kaat
Buch
Marianna Kaat
Kamera
Kacper Czubak
Schnitt
Jesper Osmund
Produktion
Marianna Kaat
Co-Produktion
Mette Cheng Munthe-Kaas, Tobin Auber
Ton
Boris Frolov
Sound Design
Israel Banuelos
Musik
Lauri-Dag Tüür
Filmvertrieb
Anja Dziersk
Ausgezeichnet mit: MDR-Filmpreis
Re-Visionen 2020

Villa Antropoff

Vladimir Leschiov, Kaspar Jancis
Das Meer teilt Welten: am einen Ufer ein junger Marokkaner mit einem großen Traum, am anderen eine dekadente Hochzeitsgesellschaft, der die Träume längst abhandengekommen sind.
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Villa Antropoff

Villa Antropoff
Vladimir Leschiov, Kaspar Jancis
Re-Visionen 2020
Animationsfilm
Estland,
Lettland
2012
13 Minuten
ohne Dialog
Untertitel: 
Keine
Es war einmal ein junger Marokkaner, der hatte einen Traum, einen großen Traum. Und der sollte in Erfüllung gehen, so schwebte ihm vor, irgendwo hinter dem großen Meer, vielleicht in Estland. Unterdessen wurde hinter dem Meer, vielleicht in Estland, in der Villa Antropoff eine dekadente Hochzeit gefeiert. Die Gäste sehen nach Mafia und Geldwäsche aus.
Ralph Eue

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Regie
Vladimir Leschiov, Kaspar Jancis
Buch
Kaspar Jancis, Vladimir Leschiov
Kamera
Līga Skirmane, Ere Tött
Schnitt
Kaspar Jancis, Vladimir Leschiov
Produktion
Vladimir Leschiov, Kalev Tamm
Ton
Horret Kuus
Musik
Kaspar Jancis
Animation
Marje Ale, Vladimir Leschiov, Tarmo Vaarmets, Karina Golovin, Ülle Metsur, Kristīne Zvirbule, Līga Skirmane
Produktionsfirma
Eesti Joonisfilm , LUNOHOD Animation Studio