Hausgeburt oder Klinik? Im Spannungsfeld zwischen traditioneller und moderner Geburtshilfe treten die Konflikte von Frauen in der sich wandelnden Gesellschaft Äthiopiens zutage.
Im ländlichen Äthiopien kämpft das Personal eines Gesundheitszentrums gegen die Müttersterblichkeit an. Unermüdlich fordert es Frauen dazu auf, in der Klinik zu entbinden. Doch die Vorbehalte sind groß, ebenso wie die praktischen Hürden. Wie sollen Hochschwangere rechtzeitig eintreffen, wenn der Krankenwagen erst nach Stunden oder überhaupt nicht kommt? Entgegen dem medizinischen Rat entscheidet sich Hulu Ager, ihr Kind zu Hause zur Welt zur bringen, begleitet von einer traditionellen Hebamme.
Mit spürbarer Vertrautheit fängt das Filmteam Momente intimer Gemeinschaft zwischen Hulu Ager, den Geburtshelferinnen und anderen Frauen ein. An den Rändern des zentralen Konflikts werden die vielen Herausforderungen sichtbar, die sie in der patriarchal geprägten Gesellschaft zu bewältigen haben. Im Frisiersalon unter der Dampfhaube sind die Debatten am lebhaftesten: Beim Sex empfinde sie aufgrund ihrer Beschneidung keinerlei Freude, berichtet die medizinische Fachkraft Welela. „Du musst dich nur vorbereiten“, rät ihr eine andere Kundin. Manchmal helfe es, sich zu betrinken. Für die kecke Friseurin jedoch steht vielmehr fest: Schlechter Sex ist ein Scheidungsgrund. Untereinander teilen die Frauen ihre Wünsche und Nöte, erfahren Solidarität und sammeln Mut für kleine wie große Akte des Aufbruchs und des Widerstands. Männer haben hier allenfalls als Statisten Platz.
In der Peripherie von Addis Abeba: Eine vielstimmige Erzählung von Bruchlinien, Gräben und Menschen, die die stürmische Urbanisierung Afrikas am eigenen Leib erfahren müssen.
Soziogeografische Erkundungen in der Peripherie von Addis Abeba: In vielfacher Weise verlaufen dort Grenzen und Bruchlinien – zwischen agrarischen und urbanen Raumpraktiken, zwischen ökonomischen und linguistischen Schollen, zwischen Perspektive und Dilemma. Eine vielstimmige audiovisuelle Erzählung von Menschen, die die stürmische Urbanisierung afrikanischer Gesellschaften ungefragt am eigenen Leib erfahren müssen, aufgezeichnet als Fallstudie, die sich zur komplexen Allegorie weitet.
Addis Abeba (in der Sprache der bäuerlichen Oromo-Bevölkerung: Finfinnee) ist eine ungestüm wachsende ostafrikanische Metropole. Aus der konkreten Beobachtung von Haupt- und Nebeneffekten der Verstädterung in vier extrem unterschiedlichen, obzwar in Sichtweite voneinander liegenden Siedlungskomplexen im östlichen Randgebiet der äthiopischen Hauptstadt entwickelt sich „Rift Finfinnee“ zu einer weit ausgreifenden Komposition über die Dynamiken einer urbanen Turbomodernisierung. Der Große Afrikanische Grabenbruch begrenzt derzeit noch (!) als ebenso natürliche wie symbolische Barriere die weitere tentakelhafte Ausbreitung der Megacity in landwirtschaftliches Terrain – über diesen und andere Rifts hinweg. Der Zwischenbefund zur Lage an den Verwerfungen sondiert das Spannungsfeld aus instabilen Vergangenheiten, unzuverlässigen Zukünften und einer umkämpften Gegenwart.